zurück

Aus den Gremien

Liegenschaftsprojekt im Evangelischen Kirchenbezirk Mosbach

Auf dem Weg zum "Masterplan" der Gebäudestruktur


Wer das Wort Immobilie wörtlich nimmt, der denkt dabei sicher nicht zuerst an Bewegung. Die Häuser, in denen wir leben, sind zum Teil schon seit vielen Generationen Grundlage unserer Geschichte. Allerdings bewegt sich in diesen Häusern schon einiges. Manchmal bildet sich das in den Baugeschichten ab. Da wird ein Dachgeschoss ausgebaut, weil die Kinder größer werden. Wenn sie dann einmal ausziehen entsteht Platz für ein Arbeitszimmer oder Hobbyraum. Und was passiert, wenn das Haus dann einmal zu groß wird? Der Garten nur noch mit Mühe gepflegt werden kann? Wer auf Veränderungen im Leben reagieren will, bei dem kommt das Nachdenken über die grundsätzlich unbewegliche Immobilie in Gang und jedem wird klar: Wir müssen uns mal Gedanken machen, wie es mit unserem Haus weitergeht.


Nun sind Kirche, Gemeindehaus oder Pfarrhaus schon etwas anderes als unsere Wohnhäuser. Aber auch bei diesen zentralen Orten unserer Gemeinden bleiben Veränderungen nicht aus. Die Landessynode unserer Evangelischen Landeskirche in Baden hat 2014 auf diese Veränderungen reagiert und das sogenannte Liegenschaftsprojekt beschlossen. In diesem Jahr 2018 erreicht es unseren Kirchenbezirk Mosbach. Welche Ziele wir damit verfolgen und wie Sie sich daran beteiligen können, das möchte ich Ihnen hier vermitteln.


„Wir müssen reden“ – knapper kann die Aufgabe des Liegenschaftsprojekts nicht beschrieben werden.
„Wir“ – bei einer Familie ist schnell klar, wer alles dazu gehört. Natürlich alle, die unser Haus mit Leben füllen. Allerdings steckt auch im „Wir“ einer Familie die Frage nach der Zukunft – wer wird sich denn in Zukunft unter unserem Dach häuslich einrichten? Und werden die nachfolgenden Generationen die Verantwortung tragen, die Immobilie in Schuss halten können? Das „Wir“ einer Familie, aber auch das „Wir“ einer Gemeinde beschreibt zugleich eine Verantwortung, in der wir stehen.


„Müssen“ – als Kirche sind wir gut beraten, ein waches Auge auf unsere Verpflichtungen und Belastungen zu richten. Was sind die Aufgaben, vor denen wir stehen? In ganz Baden nutzen die Gemeinden zurzeit etwa 3000 Gebäude für ihr kirchliches Leben. Für viele dieser Gebäude fehlt schon seit Jahren regelmäßig Geld, um die Dächer zu erneuern, die Heizung wieder fit zu machen oder eine dringend erforderliche energetische Sanierung anzustoßen. Der Blick auf die zukünftige Finanzentwicklung macht es überdeutlich: wir müssen jetzt reagieren und überprüfen, welche Gebäude wir uns noch leisten können. Nach kreativen Ideen werden wir dabei suchen, wie wir Belastungen verkleinern und Qualität steigern können. Noch einmal steht dabei das „wir“ im Mittelpunkt: die Aufgabe des Liegenschaftsprojekts ist es, die einzelnen Gemeinden mit ihren großen oder kleinen Aufgaben gut zu begleiten. Wir brauchen einander, um gemeinsam einen Plan für unseren Gebäudebestand zu entwickeln.


„Reden“ – damit sind wir bei dem entscheidenden Instrument, das wir in diesem Jahr für unsere Häuser in die Hand nehmen. Bevor wir zu Farbeimer, Pinsel, Hammer und Meißel greifen, um unsere Immobilien weiter zu entwickeln, werden wir in diesem Jahr viel miteinander reden. Der Bezirkskirchenrat wird durch eine kirchliche Beratungsfirma über den Gebäudebestand in unseren Gemeinden sachkundig informiert. Mit diesen Informationen kommen wir ins Gespräch mit den Ältestenkreisen. In allen Gemeinden werden Gespräche stattfinden im Kreis der Mitarbeitenden oder bei Gemeindeversammlungen. Und immer wieder wird der Bezirkskirchenrat die Ältestenkreise bitten, aus diesen Gesprächen Fragen einzubringen und gemeinsam Antworten zu suchen. Zwei Bezirkssynoden im April und im Oktober werden diese ersten Antworten aus den Beratungen zusammenstellen. Der Bezirkskirchenrat wird daraus einen sogenannten „Masterplan“ für alle Kirchen, Pfarrhäuser und Gemeindehäuser in unserem Bezirk aufstellen. Darin wird beschrieben werden, welche Veränderungen wir uns bei unseren Immobilien in einem Zeitraum von zehn Jahren vornehmen werden.


Wir müssen reden – in diesem Jahr wird es darauf ankommen, dass sich möglichst viele an unserem Gesprächsprozess beteiligen. Denn auch wenn bei den Planungen Quadratmeter und Gebäudekosten, Bauqualitäten und Baulasten im Mittelpunkt stehen, sind wir als Kirche gut beraten, nicht nur auf die äußeren Rahmenbedingungen zu achten. Wir alle können unsere eigenen Vorstellungen einbringen, wie wir in Zukunft Kirche erleben und als Gemeinde leben wollen.
Während die Finanzen unseren Möglichkeiten manchmal enge Grenzen setzen, bin ich fest davon überzeugt, dass wir nur gemeinsam zukünftige Möglichkeiten unseres Gemeindelebens entdecken können. Wie in zehn Jahren unsere Gemeinden leben, das kann ein Gebäudekonzept noch nicht allein beschreiben. Und von Mauern und Dächern allein hängt es auch nicht ab, welche Kirche die nachfolgenden Generationen erleben werden.


Das Liegenschaftsprojekt wird uns daher 2018 auch die Chance eröffnen, darauf zu hören, mit welchen Hoffnungen, Träumen und Visionen wir unsere Häuser mit Leben füllen wollen. Und wir werden gut beraten sein, in diesem Jahr 2018 immer wieder auch auf den einen Herrn der Kirche zu hören, der nicht von Steinen, sondern von sich selbst spricht, wenn er sagt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Mt 28,20). Mit ihm werden wir eine Kirche erleben, die mehr ist als eine Immobilie, eine Kirche, die uns bewegt und in dieser Welt etwas in Bewegung bringt.
Für den Bezirkskirchenrat Mosbach
Ihr Dekan Folkhard Krall

 

zurück