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Aus den Gremien

Nicht stehen bleiben. Wachsen!

Mosbach. (von Urike Brinkmann, Rhein-Neckar-Zeitung) „Stell dir vor, du bist eine Reporterin von Royal-TV.“ Nicht gerade das erste, was einem einfällt, will man der alttestamentarischen Königin Ester mit einer Lesung Leben einhauchen will. Aber anschaulich und deshalb hilfreich ist die „Regieanweisung“ von Felix Ritter an die junge Bianca Richter. Die beiden trafen in einem Workshop aufeinander, in dem die Teilnehmer lernen wollten, die Bibel lebendig werden zu lassen. Dieses Seminar war eines von 16, mit dem die Mitarbeiter-Uni im evangelischen Kirchenbezirk Mosbach ihr Ziel „Gemeinsam wachsen im Gottesdienst“ weiter verfolgt. 2010 hatte die erste Veranstaltung dieser Art mit großem Erfolg in Schefflenz stattgefunden.
Was Bianca Richter, Frauen und Männer aus den Gemeinden, haupt- wie ehrenamtlich Tätige von dem Dozenten für Dramaturgie lernen wollten, war auf je eigene Weise das Anliegen aller Vorträge und Workshops der Mitarbeiter-Uni in der Johannes-Diakonie:  „Gottes Wort unter die Leute bringen“, hatte Dekan Dirk Keller noch ins Programm geschrieben. Verkündigung. „Sie ist unser gemeinsamer Auftrag“, hatte nach der Morgenandacht der Heidelberger Theologe Prof. Dr. Wilfried Härle den in der Johannes-Kirche Versammelten zugerufen.
„Schon Paulus’ Hauptanliegen war, die durch Jesus nahe gebrachte Liebe Gottes zu verkündigen - egal wie.“ Härle differenzierte, indem er auch die schwierigen Seiten nicht aussparte und mit dem Philipperbrief auf „Neid, Streitsucht und Eigennutz“ einging; er konkretisierte, was es mit dem Verkündigungsauftrag auf sich hat. Nacheinander ging er auf die Fragen nach dem Wer, dem Was, dem Wie, der Befähigung und dem Wodurch ein. Seine Überlegungen galten den Pfarrerinnen und Pfarrern ebenso wie den Prädikanten und Lektoren als den dazu Berufenen und Bezahlten. Damit aber sei die äußere Grenze der Beauftragten nicht erreicht. Der Redner warb dafür, „sich als Christ zu erkennen zu geben“, in der Familie und im Freundeskreis, am Arbeitsplatz und im Urlaub. Und er fügte schmunzelnd an, dass es niemandem wie seiner Enkelin ergehen möge, der dies „voll peinlich“ sei. Er, der als Atheist sein theologisches Studium begonnen habe, ahnte und erfuhr, dass Unglaube nicht das letzte Wort über sein Leben sein würde. „Nicht stehen bleiben. Wachsen!“ Härles „Lehre“ kehrt im Motto der Mitarbeiter-Uni wieder.
Die Impulse, die es dafür immer wieder braucht, wurden am Samstag vielfältig gegeben. Das entsprach den Erwartungen, die manche am Morgen äußerten: Anregungen und neue Ideen, Vertiefung dessen, was bisher stärkte, und noch mehr Freude im Gottesdienst oder am Singen, waren einige der Wünsche, mit denen mehr als 100 „Verkündigungs-Studenten“ nach Mosbach gekommen waren. Das Programm bot eine bunte Fülle von Möglichkeiten: Tanzen als Gebet, Jugendgottesdienste, Lobpreis leiten und gestalten, Stationengottesdienste, Neue Lieder und liturgische Gesänge, zuhörerfreundliche Predigten, der Gottesdienst als geistliche Mitte der Gemeinde oder durch Frauen anders gemachte Theologie waren nur einige der je zweifach angebotenen Arbeitszirkel.
„Dass ankommt, was ankommen soll“ – so hatte Pfarrer Martin Sommer am Morgen sowohl die Worte von Prof. Härle als auch die von Felix Ritter anschließend mit allen durchgeführten Lockerungsübungen kommentiert. Sommer war nach dem Weggang Dirk Kellers der Hauptteil der Organisation zugefallen. Zusammen mit der Bezirksbeauftragten der Evangelischen Frauen, Renate Baudy, und Dekanatssekretärin Annelies Lukas hatte man die Organisation des Großprojekts gestemmt. Ob es eine Fortsetzung finden wird, das entscheidet die Bezirkssynode. Dekanstellvertreter Andreas Reibold schloss seinen Wunsch danach in seinen abendlichen Dank an alle ein. Gestalt bekam dieser Dank in Form von gewundenen Kränzen. Sie hatten tagsüber eine hübsche Mitte in den Zirkeln markiert und wurden am Ende im „fideljo“ an die Mitwirkenden der Uni verschenkt.


Johanneskirche
Dass ankommt, was ankommen soll: die Verkündigung der biblischen Botschaft als dramaturgische Übung war eines von vielen Angeboten der zweiten Mitarbeiter-Uni im Kirchenbezirk Mosbach.

 

Ritter und Richter
Mit Unterstützung des Dozenten für Dramaturgie Felix Ritter (l.) und der musikalischen Begleitung durch Andreas Hantschel erlebt hier Bianca Richter, wie die Bibel – gelesen - lebendig werden kann.

härleDass ankommt, was ankommen soll: dazu diente neben dem Hauptvortrag von Prof. Härle und 16 Workshops eine Lockerungsübung für alle, mit der die Mitarbeiter-Uni nach der Morgenandacht in der Johannes-Kirche startete.
 
Die inhaltliche Mitte der Workshops war das Thema Verkündigung. Schmucke Gestalt nahm sie an durch einen Kranz in jedem Veranstaltungsraum; am Ende wurden sie an die Mitwirkenden verschenkt.
Der Heidelberger Theologe Prof. Dr. Wilfried Härle hielt den Hauptvortrag in der Johannes-Kirche, bevor in  16 Workshops intensiv gelernt, diskutiert und geübt wurde. Fotos: Ursula Brinkmann

 

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